Sind Tippspiele am Arbeitsplatz erlaubt? Handelt es sich um unerlaubte Glücksspiele? Ab wann wird es illegal?
Obwohl das Ergebnis eines Fußballspiels nicht gänzlich vorhersehbar ist und vom Zufall abhängen kann, unterliegen Sportwetten nicht dem Glücksspielgesetz. Die Unterscheidung zum Glücksspiel ist, dass dort die Entscheidung über das Spielergebnis ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängt (6 Ob 560/95; 1 Ob 107/98m; 1 Ob 176/22x). In Österreich sind die Bundesländer für die Regulierung zuständig und haben eigene Wettgesetze erlassen.
Tippspiele am Arbeitsplatz sind grundsätzlich zulässig. Ob es sich rechtlich um eine genehmigungspflichtige Sportwette handelt, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Problematisch kann es werden, wenn jemand gewerbsmäßig organisiert die Teilnahme öffentlich angeboten wird, erhebliche Einsätze oder Gewinne vorgesehen sind und der Veranstalter Einnahmen erzielt. Die Umstände des Einzelfalls zu prüfen. Übrigens: Bei privaten Tippspielen sind Gewinne nicht einklagbar. Wenn der Organisator nicht auszahlt oder den Gewinn nicht verteilt, haben die Teilnehmer keinen Anspruch auf Zahlung. Eine Klage auf Auszahlung von Gewinn wird daher scheitern.
Macht es einen Unterschied, ob der Arbeitgeber das Tippspiel organisiert oder nur Arbeitskollegen untereinander?
Organisiert der Arbeitgeber das Tippspiel, können sich zusätzliche Problemfelder auftun, wie die Einhaltung von Compliance- und Verhaltensrichtlinien, die Verwendung betrieblicher Ressourcen, die Gleichbehandlung der Mitarbeiter und Haftungs- und Steuerfragen bei Preisen.
Darf ich meine Arbeits-Email-Adresse für das Tippspiel verwenden?
Die betrieblichen Vorgaben sind entscheident, ob ich die Mailadresse der Firma verwenden darf. Ist die private Nutzung gestattet, wird eine gelegentliche Verwendung für ein Tippspiel zulässig sein. Verbietet der Arbeitgeber die Privatnutzung, sollte das Firmen-Mail sie nicht für Tippspiele verwendet werden.
Darf ich mein Arbeitshandy für das Tippspiel verwenden?
Es gilt selbiges wie bei der Arbeitsmailadresse. Wird die private Nutzung erlaubt, wird die gelegentliche Nutzung für ein Tippspiel unproblematisch sein.
Gibt es Grenzen für die erlaubte Höhe des Gewinns?
Es gibt keine allgemeine Höchstgrenze. Sehr hohe Einsätze und hohe Gewinne sprechen gegen den Charakter eines harmlosen Zeitvertreibs unter Kollegen und können die Beurteilung verschärfen. Ich empfehle eine rechtliche Prüfung im Einzelfall.
Gibt es sonstige arbeitsrechtliche Bedenken?
Betriebsvereinbarungen oder interne Richtlinien oder der Arbeitsvertrag können Vorgaben enthalten. Es darf kein Druck auf Mitarbeiter entstehen, am Tippspiel teilzunehmen. Arbeitsleistung darf nicht beeinträchtigt werden. Arbeitszeit darf nicht wesentlich für das Tippspiel verwendet werden.
Gilt das für alle Arbeitsplätze gleichermaßen? Dürfte zb auch eine Schule Tippspiele anbieten, wo Schüler:innen mitmachen können?
Bei Schulen ist besondere Vorsicht geboten. Minderjährige genießen besonderen Schutz. Schulrechtliche Vorgaben sind zu beachten. Spiele mit Geldeinsätzen können rechtlich und pädagogisch problematisch sei. Für Schulen empfehle ich, die konkreten schulrechtlichen Vorgaben und auch allfällige Weisungen der Bildungsdirektion vorab prüfen zu lassen.

